Prägendes Erlebnis

Stifter fördern Hospiz

Zufälle des Schicksals – und ein klarer Willen

Eine Frau und ein Mann stehen im GartenIrene und Alfred Duijm war sofort klar, dass ihre Stiftung das Hospizwesen fördern soll. Ein prägendes Erlebnis hatte zu dieser Entscheidung geführt.Thomas Wilk

Am Anfang dieser Geschichte steht eine wundervolle Erfahrung, die Irene und Alfred Duijm aus Schwäbisch Gmünd 2007 machten. Sie erlebten, wie sich in einem Pflegeheim Ehrenamtliche eines Hospizdienstes liebevoll um eine Sterbende kümmerten. Dieses Erlebnis grub sich tief in die Herzen des Ehepaars ein. Genau zwölf Jahre später erfüllten sich die beiden ihren lang gehegten Wunsch und gründeten die "Ehepaar Duijm Hospiz-Stiftung" unter dem Dach der CaritasStiftung Lebenswerk Zukunft. Mit ihrer Stiftung wollen die Duijms die Hospizarbeit im Altkreis Schwäbisch Gmünd fördern.

Doch der Reihe nach. Es begann alles damit, dass Irene Duijm sich um eine hochbetagte Freundin ihrer verstorbenen Mutter kümmerte. Immer wieder ging sie ihr zur Hand, brachte ihr selbst gemachte Maultaschen oder Spätzle, sah nach dem Rechten. Zu ihren beiden Stiefenkeln hatte die alte Dame, damals bereits seit 40 Jahren verwitwet, keinen Kontakt mehr. Eines Morgens fand Irene Duijm, von den Nachbarn alarmiert, die alte Frau nach einem Schlaganfall auf dem Fußboden ihrer Wohnung. Nach einem Krankenhausaufenthalt musste sie sofort ins Pflegeheim.

Bewegendes Erlebnis am Sterbebett prägte Stifterwillen

Als die alte Frau in ihrem Pflegebett im Sterben lag, saßen jede Nacht von neun Uhr abends bis sechs Uhr in der Früh Ehrenamtliche des Hospizdienstes an ihrem Bett. Männer und Frauen, die die Sterbende nie zuvor gesehen hatten, wechselten sich mit der Nachtwache ab. Noch heute schießen Irene Duijm die Tränen in die Augen, wenn sie diese Geschichte erzählt. Noch immer ist sie begeistert von dem Einsatz der Hospizmitarbeiter. Und vor allem davon, dass eine 92-Jährige keine Sekunde allein sein musste, als der Tod kam.

Schon Jahre zuvor hatte Irene Duijm der alten Dame, da diese keine eigenen Nachkommen hatte, immer wieder geraten, eine Stiftung zu gründen, um so ihr Vermögen im eigenen Sinne anzulegen. Doch die Frau hatte bereits alles testamentarisch festgelegt, sogar die eigene Bestattung. Nach ihrem Tod fand Irene Duijm in ihrem Briefkasten ein Schreiben des Testamentsvollstreckers. Als sie das Kuvert öffnete, "bin ich aus allen Wolken gefallen", so die 71-Jährige heute. Die alte Dame hatte ihr die die Hälfte ihres Vermögens vermacht! Die andere Hälfte erhielten die beiden Stiefenkel.

"Waren der Meinung, dass Stiftung kompliziert ist"

Eine Frau und ein Mann stehen im GartenIrene und Alfred Duijm wollten schon seit langem eine Stiftung gründen. Zunächst war ihnen etwas bange vor der Bürokratie. Doch ihre Bedenken zerstreuten sich rasch - dank der kompetenten Beratung und Begleitung durch Lebenswerk Zukunft.Thomas Wilk

"Letztlich ist es auch dieses Erbe, das wir in unsere Stiftung eingebracht haben", sagt Alfred Duijm und blickt seine Frau lächelnd an. Und dass diese Stiftung ausschließlich der Hospizarbeit dienen soll, war beiden Duijms, die selbst keine Kinder haben, von Anfang an klar: "Da brauchten wir nicht lange nachzudenken." Daran gab es für sie nichts zu rütteln.

Doch den beiden Rentnern war etwas bange vor der Bürokratie. "Wir waren der festen Meinung, dass Stiftung kompliziert ist", so Irene Duijm. Da fügte es sich prima, dass ihr Mann nach einiger Recherche auf die CaritasStiftung Lebenswerk Zukunft in Stuttgart aufmerksam wurde. Stiftungs-Geschäftsführerin Angelika Hipp zerstreute schnell die anfänglichen Bedenken, nahm dem Ehepaar die Angst vor Verwaltungsgeschäft und steuerlichen Fragen. "Frau Hipp hat uns die Möglichkeiten aufgezeigt, die uns eine Treuhandstiftung bietet. Diese Idee gefiel uns auf Anhieb gut", so Irene Duijm. "Außerdem stimmte schon beim ersten Kontakt die Chemie zwischen uns sofort. Und das war uns auch sehr wichtig."

"Wichtig, dass Stiftung in unserem Sinne verwaltet wird"

Vor allem die Tatsache, dass Lebenswerk Zukunft dem rüstigen Rentner-Ehepaar aus Schwäbisch Gmünd die Verwaltungsarbeit und den Austausch mit dem Finanzamt abnahm und bei der Gestaltung der Satzung beratend zur Seite stand, war für die Duijms eine enorme Entlastung. So konnten sie sich ganz auf die Ausformulierung ihres Stifterwillens konzentrieren. Alfred Duijm: "Uns war noch nicht einmal bekannt, dass wir auch eine Treuhandstiftung gründen können, die von Lebenswerk Zukunft in unserem Sinne verwaltet wird. Dies hat uns unsere Entscheidung noch viel leichter gemacht." Weil Irene und Alfred von Anfang an genau wussten, was sie mit ihrer Stiftung erreichen wollten, war die Gründung der Stiftung schnell bewerkstelligt: "Ich glaube, Frau Hipp war recht überrascht, dass wir die Satzung so schnell formuliert hatten", lacht Irene Duijm.

Auch außerhalb ihrer Stiftung engagiert sich das rüstige Rentner-Ehepaar in und um Gmünd für Vieles: Im Arbeitskreis Alt-Gmünd e. V. sorgen sie für den Erhalt alter Bauten und Denkmäler, organisierten die Restaurierung der verfallenen Herrgottsruhkapelle mit, kümmern sich um den dazugehörigen Garten, organisieren Führungen und Veranstaltungen. Irene Duijm pflegt - als Tochter eines Friedhofsgärtners - alte Gräber auf dem benachbarten Leonhardsfriedhof, hilft benachteiligten Jugendliche im Haus St. Canisius und ist Vorstand des  Stadtseniorenrates. Und wenn sie daheim ist, wartet außerdem ihr wunderschöner, großer Garten ständig auf sie. Doch sie hat es so gewollt und sagt lächelnd: "Es macht mir einfach Spaß."

Bäcker aus den Niederlanden fand seine Liebe in Gmünd

Die ersten Reaktionen aus dem Duijmschen Umfeld auf die Gründung der Hospiz-Stiftung bewegten sich zwischen Zuspruch und Begeisterung. Die Schwägerin hat sogar schon eine erste Spende angekündigt. Ein mögliches Betätigungsfeld für ihre noch junge Stiftung sehen die Duijms später einmal in der Arbeit im stationären Hospiz der Franziskanerinnen in Schwäbisch Gmünd, das zurzeit entsteht. Doch auch außerhalb der Stadt soll die Stiftung segensreich wirken. Daher haben die Duijms ausdrücklich festgelegt, dass der Aktionsradius ihrer Stiftung den gesamten ehemaligen Kreis Schwäbisch Gmünd umfasst.

Zum Schluss noch ein weiterer Zufall, der diese Geschichte erst wahr werden ließ: Alfred Duijm ist Niederländer. Der Vater des heute 72-Jährigen war im Krieg als Zwangsarbeiter durch Zufall zunächst nach Lorch, später nach einem Arbeitsunfall nach Schwäbisch Gmünd gebracht worden. Als gelernter Bäcker durfte er - auch nach dem Krieg unter der amerikanischen Besatzungsmacht - in einer Bäckerei in Gmünd arbeiten. Direkt gegenüber der Bäckerei lernte Duijm Senior seine große Liebe kennen - und heiratete sie. So blieben die niederländischen Duijms in Gmünd. Bis heute.

Eines Tages, so wollen es die Stifter, soll auch der Hauptteil des Duijmschen Erbes der Stiftung zugutekommen. Daran gibt es für Irene und Alfred Duijm nichts zu rütteln.