Im Porträt

Waltraud und Rolf Lohmann

Ein Ehetipp vom Chefarzt

Geboren in Zeitz und Ossig in Sachsen-Anhalt südlich von Leipzig haben die beiden Senioren - sie sind 97 und 95 Jahre alt - lange im Reutlinger Stadtteil Orschel-Hagen gewohnt. Erst im Alter sind sie nach Eningen unter Achalm gekommen.

Am 13. August 1961 errichtete die DDR die Berliner Mauer. Nur wenige Wochen vorher flohen Rolf und Waltraud - "bei Nacht und Nebel", wie sie sagen - nach West-Berlin und von dort weiter nach Reutlingen. Rolf Lohmann erhielt sofort eine Anstellung als Kontroll-Meister und Vorarbeiter bei der damaligen weltweit bekannten Reutlinger Firma Burkhardt + Weber.

Zur Flucht entschlossen hatte das Paar sich, weil der Ingenieur im Metallbau befürchtet hatte, dass ihn wegen seiner beruflichen Fähigkeiten "die Russen irgendwann holen und verschleppen werden", immer wieder sei nämlich nach ihm gefragt worden, da wurde ihm das Risiko zu groß. Seine Frau Waltraud war damals examinierte Krankenschwester in einer guten Stelle in der Klinik in Halle an der Saale, erzählt sie, folgte aber dem Gatten in den Westen.

Der Neubeginn war jedoch vor allem Waltraud Lohmann anfangs nicht leicht gefallen - auch wegen der Sprache, die man hier im "Ländle" spricht und die sich so sehr unterschied von ihrem sächsischen Dialekt.

Mitgenommen haben sie damals über die Grenze nur wenige Dinge - darunter eine eiserne Rose, die der junge Ehemann mal seiner Frau zum Geburtstage geschenkt hatte und die heute in ihrem gemeinsamen Zimmer im Altenzentrum einen Ehrenplatz hat.

Verdacht auf Typhus

Kennengelernt, so erzählen sie, haben sie sich in der Klinik: Rolf Lohmann war damals - weil es in seinem Umfeld einen Typhusfall gegeben hatte, zur Beobachtung ins Krankehaus gekommen und musste dort 14 Tage in Quarantäne ausharren.

Der Chefarzt hatte eines Tages die junge Krankenschwester auf den Patienten aufmerksam gemacht: "Das wär doch ein Mann für Sie", erzählt Waltraud Lohmann. Und sie sah das dann auch so.

Weil Rolf Lohmann schon vor dem Zweiten Weltkrieg mal im Süddeutschen gewesen war - in Oberesslingen - und es ihm hier gut gefallen hatte, fiel die Wahl der beiden DDR-Ausreisenden auf diese Ecke der damals noch jungen Bundesrepublik.

Ein Neubeginn im "Ländle"

Lohmann-StiftungWaltraud und Rolf Lohmann bei der Stiftungsgründung im November 2016.

Er begann bei einem Werkzeugmaschienenhersteller und war dort beschäftigt bis zum Rentenbeginn, vor allem in der Kontrolle. "Wir haben beide immer gern gearbeitet" und die Ehe sei davon auch geprägt gewesen: Beide sind frühmorgens aus dem Haus und erst spät wieder heimgekommen. Und weil man so auch nicht viel verbraucht hat, hatte sich das Geld gesammelt. 2016 haben sie sich dann entschlossen eine Stiftung zu gründen. 500.000 Euro hat das Eherpaar in diese zur Förderung der Altenhilfe in Eningen eingebracht. Verwaltet wird diese von der CaritasStiftung der Diözese Rottenburg-Stuttgart als Treuhänderin.

Zur Stiftungsgründung brachten Waltraud und Rolf Lohmann die eiserne Rose mit. Wenige Monate später, am 2. Februar 2017, feierte das Ehepaar ihre eiserne Hochzeit. 65 Jahre sind die beiden nun verheiratet.