Tochter managt das Erbe der Mutter
Nach mehreren beruflichen Stationen wagte Julia Mildner-Powell 2006 den Einstieg bei der OASE. Als Geschäftsführerin führte sie nicht nur das Werk ihrer Mutter fort, sondern krempelte vieles um.
Denn als Kinder mussten Julia und ihre drei Geschwister erleben, wie ihre Familie wegen des Alkoholmissbrauchs der eigenen Mutter zerbrach. Diese hatte zwar letztlich nach Klinikaufenthalt und Entzug die Krankheit besiegt - doch die Familie war ruiniert, der Ehemann weg. Nach einem persönlichen Neuanfang baute Elke Mildner eine Anlaufstelle für trockene Alkoholiker*innen in einer angemieteten 3-Zimmer-Wohnung auf - die Geburtsstunde der OASE in Rottenburg.
Vieles umgekrempelt, Einrichtung konsolidiert
Tochter Julia Mildner-Powell ging einen anderen Weg. Um das Thema "Alkohol" machte sie einen großen Bogen, studierte Pädagogik, arbeitete an verschiedenen Stationen mit Jugendlichen, wurde Coach und Mediatorin. In Neuseeland lernte sie ihren Mann kennen und gründete eine Familie. Nach mehreren beruflichen Stationen wagte sie 2006 dann doch den Einstieg bei der OASE. Als Geschäftsführerin und mit neuen Akzenten. Sie führte nicht einfach das Werk ihrer Mutter fort, sondern setzte auf Professionalisierung der Strukturen und krempelte vieles um. Was die Einrichtung konsolidierte. Aus der OASE in Trägerschaft der Rottenburger Domgemeinde St. Martin wurde die OASE gGmbH. Das war das i-Tüpfelchen auf dem Gesundungsprozess. Sie führte ein, dass niemand mehr anonym beerdigt wird: "Wertgeschätztes Sterben ist teuer. Aber es ist auch ein Zeichen des Nicht-Vergessen-Werdens, das jeder verdient hat."
Mit Fingerspitzengefühl und professioneller Distanz
Julia erlebte als Kind die Alkoholsucht der Mutter (l.) mit. Diese Erfahrungen ließen eine professionelle Distanz zum Beruf entstehen.Thomas Wilk
Die Erfahrungen mit dem Alkoholismus der Mutter lassen Julia heute ihren Job mit professioneller Distanz ausüben. Handlungsmuster und Problematiken der Sucht sieht sie als betroffene Angehörige einerseits mit Einfühlungsvermögen, andererseits aber auch mit professioneller Distanz - mit einem reflektierten Blick auf die Betroffenen. Heute ist die Mutter zweier erwachsener Töchter froh, dass sie nach bewegten Jahren hier ihre Berufung gefunden hat. Sie freut sich, Menschen ein Zuhause zu verschaffen, denen die Alkoholsucht komplett den Boden unter den Füßen weggezogen hatte. Hier hält sie es mit dem Motto ihrer Mutter: "Hier darf jeder glauben, was er mag. Aber es hat noch niemandem geschadet, dass man für ihn betet."
Das Stichwort: Die OASE: In der OASE finden ehemals alkoholabhängige Menschen nach abgeschlossener Therapie eine neue Heimat und können einen Neustart wagen. Heute betreut die OASE 45 Personen ambulant in verschiedenen Wohnungen in Rottenburg. Viele wohnen dort mehrere Jahre, manche bis zum Tod. Seit über 20 Jahren unterstützt die Elke-Mildner-Stiftung die OASE. Die Stiftung erhält die Spenden, Vermächtnisse oder Erbschaften für die OASE.
Info: www.oase-rottenburg.de




