"Faire Mobilität"

Kampf gegen Ausbeutung

Paul-Schobel-Stiftung unterstützt Einsatz für Arbeitnehmer

Als der Lastwagenfahrer Jiri Gabhrel für seinen tschechischen Arbeitgeber in Deutschland unterwegs war, erhielt er für 160 Arbeitsstunden rund 460 Euro (plus Spesen) – also viel weniger als den deutschen Mindestlohn. Bei einer Kontrolle erfuhren deutsche Polizisten davon und verwiesen den tschechischen Staatsbürger an die Stuttgarter Beratungsstelle „Faire Mobilität“. Mit der Hilfe der Beraterin Stanislava Rupp-Bulling gelang es dem Kraftfahrer, vor Gericht den deutschen Mindestlohn einzuklagen. Denn dieser gilt auch für Arbeitnehmer, die nur vorübergehend in Deutschland beschäftigt sind – unabhängig davon, ob sie für ein deutsches oder ausländisches Unternehmen arbeiten. Nach einem außergerichtlichen Vergleich erhielt Gabhrel eine Lohnnachzahlung von rund 8000 Euro.

Katholische Betriebsseelsorge und "Faire Mobilität" setzen sich für Lkw-Fahrer ein

Analog zu diesem Fall informierten Mitarbeiter von „Faire Mobilität“, Katholischer Betriebsseelsorge Rottenburg-Stuttgart und der Europäischen Transportarbeiter-Vereinigung Anfang März 2017 in einer gemeinsamen Aktion auf den Autobahn-Rastplätzen Hohenlohe Süd und Nord an der A 6 mehr als 100 Fernfahrer aus verschiedenen europäischen Ländern über deren Rechte. Dabei stellte sich heraus: Die meisten von ihnen arbeiten zu den Mindestlohnbedingungen ihres Heimatlandes, nicht den deutschen. Für die Spesen, die sie erhalten, führen die Arbeitgeber keine Sozialabgaben ab. Große Probleme bereitet vielen auch die lange Abwesenheit von der Familie in der Heimat. Dass sich die Mitarbeitenden der Beratungsstelle „Faire Mobilität“ in Stuttgart für Menschen wir Jiri Gabhrel einsetzen können, ist unter anderem auch der „Paul Schobel Stiftung Arbeit und Solidarität“ zu verdanken, die das Projekt seit einigen Jahren finanziell unterstützt.

Info: „Faire Mobilität“
Das Netzwerk „Faire Mobilität“ in Deutschland unterstützt Arbeitnehmer, die im Rahmen der EU-Freizügigkeit über Entsendung, Werkverträge oder bei einem deutschen Arbeitgeber in Deutschland beschäftigt sind und Opfer verschiedener Formen von Arbeitsausbeutung werden. „Faire Mobilität“ gelang es, die Öffentlichkeit auf systematische Ausbeutung in einigen Branchen aufmerksam zu machen. Besonders betroffen sind die Bereiche Fleischwirtschaft, häusliche Pflege und Transport und Logistik. Die Beratungsstellen kooperieren unter anderem mit Gewerkschaften, Beratungsstellen, Staatsanwaltschaft und dem Zoll. Sie werden vom Bund oder den Bundesländern finanziert. Seit 2013 beraten zwei Mitarbeiterinnen von „Faire Mobilität“ in Stuttgart Arbeitsmigranten aus (Ost-)Europa (auf Deutsch, Englisch, Tschechisch und Polnisch). Die Betriebsseelsorge der Diözese Rottenburg-Stuttgart ist Kooperationspartner von Faire Mobilität Stuttgart.